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Ulrich Köhler im Interview mit der Rheinpfalz

„Unsere Kunden brüllen nicht“

Interview: Wegen der angekündigten Fahrverbote sind Dieselfahrer und Autohändler gleichermaßen verunsichert. Was Ulrich Köhler als Inhaber des Dürkheimer VW-Autohauses über Umtauschprämie, Nachrüstung und Volkswagen insgesamt denkt, hat er uns gestern erzählt.

Herr Köhler, nur mal angenommen, Ihr bester Freund käme in Ihr Autohaus und wollte einen Wagen kaufen. Würden Sie ihm zu einem Diesel raten?

Grundsätzlich würde ich nach seiner Situation fragen. Wie nutzt er das Fahrzeug? Wenn er beispielsweise in Karlsruhe arbeiten würde, dann hätte er die Kilometerleistung, bei der sich ein Diesel auf jeden Fall lohnt und es wäre in Karlsruhe unproblematisch, was die Abgassituation anbelangt. Bei den neuen Dieselmodellen 6d-Temp ist man für die nächsten Jahre auf der sicheren Seite. Gegebenenfalls würde ich ihm ein Erdgasfahrzeug empfehlen.

Haben Sie sich zuletzt an brüllende Kunden gewöhnen müssen?

Nein, wir haben Kunden, die von der ganzen Thematik nicht begeistert sind, aber brüllende Kunden kennen wir nicht. Wir haben mit vielen schon sehr lange zu tun. Ihnen ist auch klar, dass wir Händler nicht die Verursacher des Problems sind.

Wie hat sich denn der Absatz von Dieselfahrzeugen entwickelt?

Wir hatten 2014/2015 einen Anteil zwischen 20 und 30 Prozent. Ab 2016 waren wir dann unter 20 Prozent. Das sind meist Groß- und Gewerbekunden, die die Fahrzeuge mit einer entsprechenden Kilometerleistung nutzen.

Die Politik beschäftigt sich ausgiebig mit dem Thema Diesel. Wie finden Sie die Beschlüsse, die da jetzt auf dem Tisch liegen? Stichwort Umtauschprämie.

Ich sehe die Umtauschprämie kritisch, weil wir nicht wissen, wo die Reise hingehen soll. Die Idee ist klar, aber wir haben dann das Problem, was mit den gebrauchten Fahrzeugen passiert. Wir müssen sie zurücknehmen, haben sie dann bei uns stehen. Der Hersteller nimmt sie definitiv nicht. Für mich stellt sich die Frage, ob wir das Problem so nicht einfach in andere Länder verschieben.

Wer würde denn profitieren?

Einige wenige.

Also entsteht ein Gerechtigkeitsproblem, weil nur Leute bedacht werden, die im Umfeld von den 14 betroffenen Städten in Deutschland wohnen?

Ich sehe das tatsächlich als Problem. Was passiert, wenn diese Umtauschprämie mal abgeschlossen ist und Mannheim oder Karlsruhe kämen zu den betroffenen Städten hinzu?

Vieles ist noch unausgegoren. Fühlen Sie sich eigentlich nicht von Volkswagen total im Stich gelassen?

Der Imageverlust macht uns persönlich schon zu schaffen. Wir müssen dem Kunden Rede und Antwort stehen. Ich hätte mir vom Hersteller mehr offenen und ehrlichen Umgang mit der Thematik gewünscht. Das hätte uns unterstützt.

Neben der Umtauschprämie lautet der zweite große Vorschlag Nachrüstung von älteren Dieselfahrzeugen durch den Austausch von Hardware-Komponenten. Ist Ihnen das möglich hier?

Ja, das ist auch das, was uns und den Kunden hier am meisten helfen würde. Es gäbe zum einen eine Aufwertung der Fahrzeuge, also auch der Gebrauchtfahrzeuge. Es ist die Lösung, die ich absolut bevorzugen würde.

Apropos gebraucht: Was machen Sie mit den alten Dieselfahrzeugen, die derzeit gebraucht auf Ihrem Hof stehen? Gehen die in den Osten oder nach Afrika?

Nein, wir verkaufen so gut wie keine Fahrzeuge ins Ausland. Wir haben einen überschaubaren Kreis von Dieselnutzern, die hier in der Umgebung fahren und vor einem Diesel 5 nicht zurückschrecken. Wir verkaufen die Autos noch. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 20.000 Kilometer und mehr ist ein Diesel immer noch günstiger als ein Benziner.

VW hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn mehr als verdoppelt und 11,4 Milliarden Euro plus gemacht. Das kommt überraschend angesichts der Thematik, über die wir hier sprechen?

Das überrascht nicht nur Sie, sondern auch die Händler. Das hat aber damit zu tun, dass es ein internationaler Konzern ist. Die Gewinne werden natürlich auch in anderen Ländern erzielt.

Gibt es den Diesel heute in zehn Jahren noch?

Alle Verbrennungsmotoren werden sich reduzieren. Ich vermute, dass sich immer mehr Nischen bilden – aus E-Mobilität, Wasserstoff, aus Erdgas; Benzin und Diesel werden noch da sein. Man wird nicht mehr sagen können: Das ist der Hauptantrieb. Ich persönlich finde das Thema Hybridantrieb sehr gut.

| Interview: Stephan